Gründung

Die Tradition der Augustinerchorherren in Wettenhausen setzt die Gründung des Klosters auf das Jahr 982 an. Dafür fehlt allerdings ein dokumentarischer Beweis. Einen solchen gibt es dagegen für das Jahr 1130. Die in der Mitte des 19. Jahrhunderts wieder aufgefundene Gründungsurkunde bestätigt Bischof Hermann von Augsburg (1096-1133), dass die Herrin Gertrud mit ihren Söhnen Werner und Konrad den Ort Wettenhausen der Domkirche zu Augsburg gestiftet habe.

Es handelt sich hierbei sicherlich um das ritterliche Geschlecht derer von Roggenstein, das auf dem Kalvarienberg seinen Wohnsitz hatte. Über die Adelsfamilie der Roggensteiner wissen wir wenig; sie soll bereits im 14. Jahrhundert ausgestorben sein.


Das Stifterbild zeigt wie die Gräfin von Roggenstein das Klostermodell der Muttergottes überreicht. Im Hintergrund ragt mächtig die Burg Roggenstein auf, links unten kniet Abt Georg I. Frey.

Die Komposition ist noch dem Mittelalter verpflichtet, die Darstellung des Klosters aus Südosten ist aber sehr realistisch.

Hochmittelalter

Durch Schenkungen adeliger Herren ebenso wie durch Kauf wuchs der Wettenhausiche Klosterbestand im Laufe des Hochmittelalters stetig an. Damit verbunden war der Ausbau der Grundherrenschaft, der wiederum mit einer gewissen Wohlhabenheit einherging, die es ermöglichte, "in ungetrübter Ruhe" Gott dienen zu können.

Ursprünglich unterstand das Kloster politisch der Markgrafschaft Burgau, die österreichisch-habsburgischer Landbesitz war.

1387 erhielten die Pröpste von den Habsburgern die niedere Gerichtsbarkeit. Damit beginnt die politische Geschichte des Chorherrenstifts.

Spätmittelalter

Durch die turbulenten Zeiten der Reformation und der Bauernkriege konnte das Kloster vor allem durch das moderate Verhalten und das kluge Vorgehen des sehr bedeutenden Propstes Ulrich I. Hieber (1505-1532) ohne größere Verluste hindurchgeführt werden. Das Kloster erlangte 1566 die Reichsunmittelbarkeit und hatte damit den Status eines geistlichen Fürstentums erreicht, das nur dem Kaiser unterstand. Der Wettenhauser Propst war nun ein Reichsprälat geworden, mit Sitz und Stimme im Reichstag zu Regensburg.

Auch die kirchliche Bedeutung von Kloster Wettenhausen wurde in der Folgezeit aufgewertet: Propst Hieronymus von Roth (1575-1605) wurde vom Papst das Recht des Gebrauchs von Ring, Mitra und Stab und auch die Ausübung verschiedener Weiherechte zugestanden.

Einen gewaltigen Einbruch in die Entwicklung des Klosters stellte die Zeit des Dreißigjährigen Krieges (1618-1648) dar. Zu Beginn des 17. Jahrhunderts herrschte eine reiche Bautätigkeit, die aber zumindest ab 1632 jäh beendet wurde. Nun waren auch über das Stift und sein Herrschaftsgebiet die Schrecken dieses Krieges mit großer Wucht hereingebrochen. Zerstörungen, Verwüstungen, Not und Tod waren die Folge.

Erneute Blüte ab 1658

Das Kloster stand am Rande des Untergangs, als 1658 Dionys von Rehlingen (1658-1692) zum Propst bzw. Prälaten gewählt wurde. Sein Verdienst besteht darin, dass er in seinen 34 Amtsjahren das geistliche Reichsstift aus allseits größter Not zu höchster Blüte in allen Bereichen geführt hat. Der Nachfolger, Prälat Friedrich I. Vogel (1692-1704), führte das Aufbauwerk des Dionys fort; im baulichen Bereich vor allem durch die Innenausstattung. So sind unter seiner Regierung der Kaisersaal und die angrenzenden Räume ausgestaltet worden.

1704 wurde Bartholomäus Koppenhofer zum Prälaten gewählt. Als Bartholomäus II (1704-1740) hat er 36 Jahre lang regiert. Er war der Sohn eines Andechser Hirten und stammte so aus ganz einfachen sozialen Verhältnissen. Dieser Propst war ein guter Haushälter, förderte aber auch das geistliche Leben und hat sich als Bauherr draußen im Wettenhausischen Herrschaftsgebiet verdient gemacht. Weil die Pest ausgebrochen war, verlegte er im Ort Wettenhausen den um die Kirche befindlichen Friedhof an den Dorfrand und stattete ihn mit einer größeren Kapelle aus. Auch legte er durch die Aufrichtung eines Kreuzes auf dem sogenannten Schlossberg den Grundstock für die Entstehung des späteren Kalvarienbergs.

Die Aufgabe des Kirchenbaus setzte sein Nachfolger, Melchior Gast (1740-1755), fort. Jedoch hatte er, was die wirtschaftlichen Verhältnisse anlangte, keine so glückliche Hand. Aber das geistliche Leben des Stifts stand unter ihm auf bemerkenswerter Höhe. Augustin Bauhof (1755-1776), der in der Reihe der Pröpste folgte, gelang es nicht, die Schuldenlast abzubauen. Die Gründe hierfür waren sowohl politische Gegebenheiten als auch die Person des Prälaten selbst. Als Kunstliebhaber widmete er sich auch mit hohem Einsatz dem Kirchenbau in den stiftischen Landen.

Das Ende der Chorherren

Auf Prälat Ambrosius Zesch (1776-1788), unter dem der Schuldenstand des Klosters noch einmal größer geworden war, folgte der letzte Wettenhausische Prälat, in der Folge - laut Annalen - der Fünfunddreißigste, Friedlich II. Raab (1788-1802).

Gleich wie Prälat Bartholomäus II. - herkommend von der untersten sozialen Schicht - gelang es ihm, bis zum Reichsfürsten aufzusteigen. Gemeinsam war den beiden auch, dass sie sich als gute Haushälter auszeichneten. Friedrich Raab war es im Laufe seiner Regierung tatsächlich möglich geworden, die drückenden Schulden immer mehr abzubauen; schon zeichnete sich der Status der Schuldenfreiheit ab, als die Ereignisse der Koalitionskriege im Zusammenhang mit der Französischen Revolution seine Bemühungen vereitelten; in deren Gefolge hatte das Kloster hohe finanzielle Leistungen zu erbringen. Auf Sparsamkeit plädierend und aus grundsätzlichen Erwägungen setzte sich der Prälat für die Einfachheit des klösterlichen Lebens ein, die er in seiner Person vorbildlich praktizierte.


In diese wohlgeordnete klösterliche Welt hier in Wettenhausen brach nun 1802 die Säkularisation herein, das Schicksal der Aufhebung durch den bayerischen Saat. Eine jahrhundertelange Geschichte war damit an ihr Ende gekommen.


Neubesiedelung durch die Dominikanerinnen

1865 besiedelten Dominikanerinnen aus dem Kloster St. Ursula in Augsburg die Stätte des ehemaligen Reichsstifts der Augustinerchorherren. Der Anfang hier in Wettenhausen war für die Augsburger Dominikanerinne äußerst schwer und der Zustand der Klosteranlage war sehr schlecht.

Was hatte die wohlsituierten Schwestern aus der Stadt bewogen, aufs Land zu gehen? Von ihrem Gründer her, dem hl. Dominikus, waren sie in grundsätzlicher Offenheit darauf ausgerichtet, sich für das Heil der Menschen einzusetzen, durch die Hinwendung zum Nächsten Gott zu dienen. In diesem Sinne sahen sie nun durch die Besiedelung des Klosters eine Möglichkeit, sich hier mitten auf dem Land ein Wirkungsfeld zu schaffen. Vor dem Hintergrund dieser geistlichen Zielsetzung konnten sie dann auch alle sich ihnen in den Weg stellenden Schwierigkeiten überwinden.

Zuerst übernahmen die Schwestern die Mädchenvolksschule. Nur durch das Zugeständnis, dass sie dazu bereit wären, gab der Staat die Erlaubnis zum Kauf der Klosteranlage. Im Laufe der Zeit gelang es der klösterlichen Gemeinschaft, die personell schnell stark angewachsen war, hier mitten auf dem Land ein schulisches Zentrum zu errichten. Dies ist in erster Linie der charismatischen Leitung von Sr. Aquinata Lauter (1865-1883) zu verdanken, die im Augsburger Konvent als hochbegabte Lehrerin und schließlich als Priorin gewirkt hatte und sich nun voll für das "Projekt Wettenhausen" einsetzte.

 

Die Dominikanerinnen von Wettenhausen hatten für ihre wirtschaftliche Grundlage die Landwirtschaft und die verschiedenen Gewerke auf- und ausgebaut (z.B. Brauerei, Mühle, Sägewerk, Käserei, Paramentstickerei). Wichtig war die Gewinnung finanzieller Mittel auch dafür, um Hilfsbedürftigen beistehen zu können: seien dies begabte, aber mittellose Schülerinnen oder Menschen, die durch das Kriegsgeschehen in Not geraten waren. Auch ein Waisenheim hatte man eingerichtet, in dem jeweils zwölf Kinder auf Kosten des Klosters leben konnten. Diese Waisenanstalt wurde 1905 in die neu gegründete Filiale Lohhof bei Mindelheim verlegt.

 

Als eine große Kulturleistung der Dominikanerinnen während ihres 150-jährigen Hierseins darf die Renovierung und Erhaltung der ehemaligen Klosteranlage der Augustinerchorherren gelten. Wie die Chronikhefte der Gründergeneration es darlegen, war es ein mehrere Jahrzehnte währendes hartes Bemühen, bis alle Teile des klösterlichen Bereichs wieder bewohnbar bzw. funktionsfähig waren. Aber auch in den folgenden Jahrzehnten musste immer wieder restauriert werden, um den ausgedehnten baulichen Bestand zu erhalten. Diese denkmalpflegerischen Anforderung reichen bis in die heutige Zeit herein.


Herzlichen Dank an Sr. Katharina, Frau Rank und Herrn Bieri, dass wir aus folgenden Quellen Textauszüge und Bilder übernehmen durften: